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Podgórze – eh. Ghetto

Podgórze war einst eine eigenständige Stadt und ist seit 1915 ein Stadtteil von Krakau. Es liegt am rechten Ufer der Weichsel und war lange Zeit durch seinen industriellen Charakter geprägt.

Am 3. März 1941 beschlossen die deutschen Besatzer die Errichtung eines Ghettos in Podgórze. Es sollte ein geschlossenes, vom übrigen Stadtgebiet durch Mauern abgetrenntes Viertel sein. Vor dem Krieg lebten hier etwa 3.000 Menschen, im Ghetto wurden rund 17.000 in Krakau verbliebene Juden zusammengepfercht.

Das Gebiet umfasste etwa 20 Hektar mit 320 Häusern und insgesamt 3.167 Zimmern. Pro Person standen durchschnittlich nur etwa 2 m² Wohnfläche zur Verfügung. Nach zwei Deportationsaktionen in das Vernichtungslager Bełżec wurde das Ghetto in ein A- und ein B-Ghetto unterteilt – je nach Arbeitsfähigkeit der Bewohner.

Arbeitsfähige Menschen wurden in umliegenden Industriebetrieben eingesetzt, unter anderem in der Deutschen Emailwarenfabrik von Oskar Schindler. Die endgültige Auflösung des Ghettos erfolgte am 13. und 14. März 1943. Etwa 6.000 arbeitsfähige Juden wurden in das Lager Płaszów deportiert, rund 2.000 Menschen wurden während der Liquidation ermordet. Die übrigen, vor allem Kinder unter 14 Jahren, wurden nach Auschwitz-Birkenau gebracht.

Von etwa 70.000 Krakauer Juden überlebten den Krieg rund 1.000.


Wichtige Erinnerungsorte

Zu den wichtigsten Orten im ehemaligen Ghetto gehören:

  • die ehemalige Fabrik von Oskar Schindler, heute Teil des Historischen Museums der Stadt Krakau mit einer Ausstellung zur Zeit der deutschen Besatzung,
  • die Apotheke „Unter dem Adler“ mit einer Ausstellung über das Leben im Ghetto,
  • erhaltene Fragmente der Ghettomauer,
  • das Denkmal der leeren Stühle, das an die ermordete jüdische Bevölkerung erinnert.

Apotheke „Unter dem Adler“

Die Apotheke „Unter dem Adler“ war die einzige Apotheke im Ghetto. Ihr Besitzer, Tadeusz Pankiewicz, war der einzige Nichtjude, der dauerhaft im Ghetto lebte.

Die Apotheke diente als Treffpunkt und als Ort konspirativer Hilfe für die jüdische Bevölkerung. Heute befindet sich hier eine Ausstellung, die der Vernichtung der Krakauer Juden sowie der Person Tadeusz Pankiewicz gewidmet ist. Seine Erinnerungen wurden unter dem Titel „Apotheke im Krakauer Ghetto“ in zahlreiche Sprachen übersetzt.


Fragmente der Ghettomauer

Erhaltene Fragmente der Ghettomauer befinden sich in der Lwowska-Straße in der Nähe der Kreuzung mit der Józefińska-Straße sowie hinter einem Schulgebäude an der Kreuzung Limanowskiego-Straße und Rękawka-Straße.


Oskar Schindlers Emailwarenfabrik

Die Gebäude der Deutschen Emailwarenfabrik in der Lipowa-Straße 4 wurden 1937 zur Herstellung von Emaille- und Metallwaren errichtet. 1939 übernahm der deutsche Unternehmer Oskar Schindler die Fabrik.

Während des Krieges produzierte das Werk für die deutsche Armee, unter anderem Kochgeschirr, Patronenhülsen und Zünder. Ab 1943 wurden zunehmend jüdische Zwangsarbeiter aus dem Lager Płaszów eingesetzt; im Jahr 1944 arbeiteten dort etwa 1.100 Menschen.

Als sich die Front näherte und die Auflösung der Lager drohte, erstellten Oskar Schindler und sein Buchhalter Itzhak Stern eine Liste von Arbeitern und deren Familienangehörigen. Diese als „Schindlers Liste“ bekannt gewordene Aufstellung ermöglichte es, zahlreiche Menschen zu retten, indem sie in eine neue Fabrik im heutigen Tschechien verlegt wurden.

Die Geschichte der Fabrik wurde im Roman „Schindlers Arche“ von Thomas Keneally beschrieben und durch den Film „Schindlers Liste“ von Steven Spielberg weltweit bekannt.

Heute befindet sich im ehemaligen Verwaltungsgebäude eine Abteilung des Historischen Museums der Stadt Krakau mit der Ausstellung „Krakau unter deutscher Besatzung 1939–1945“, die das Leben in der Stadt während des Zweiten Weltkriegs dokumentiert.


Konzentrationslager Płaszów

Płaszów liegt in unmittelbarer Nähe von Podgórze und ist heute ein Stadtteil von Krakau. Im Herbst 1942 errichteten die deutschen Besatzer dort auf dem Gelände zweier zerstörter jüdischer Friedhöfe ein Zwangsarbeitslager für Juden.

Die Häftlinge arbeiteten im nahegelegenen Steinbruch, in Werkstätten innerhalb des Lagers sowie in Betrieben außerhalb des Lagergeländes, darunter auch in Schindlers Fabrik. Mitte 1943 wurde das Lager in ein Konzentrationslager umgewandelt.

Im Jahr 1944 umfasste das Lager etwa 80 Hektar und beherbergte rund 25.000 Gefangene, überwiegend Juden. In das Lager wurden auch Menschen aus anderen Ghettos sowie Transporte aus der Slowakei und Ungarn gebracht. Der Bau von Gaskammern und Krematorien wurde begonnen, jedoch nicht abgeschlossen.

Mit dem Vorrücken der Front begann im Herbst 1944 die Auflösung des Lagers. Die Gefangenen wurden unter anderem nach Auschwitz-Birkenau und nach Stutthof deportiert.

Schätzungen zufolge waren insgesamt etwa 150.000 Menschen im Lager inhaftiert. Etwa 8000 wurden bei Hinrichtungen ermordet. Die Zahl derjenigen, die an Hunger, Krankheiten und Erschöpfung starben, ist nicht genau bekannt.

Während der Räumung des Lagers versuchten die deutschen Besatzer, Spuren ihrer Verbrechen zu beseitigen; dabei wurden unter anderem große Mengen menschlicher Asche abtransportiert.

Heute ist das Gelände des ehemaligen Lagers weitgehend ungestaltet und verfügt über keine festgelegte Besichtigungsroute. Erhalten sind unter anderem Spuren der Lagerstruktur, Fundamente von Baracken, Wege sowie das sogenannte „Graue Haus“, das als Gefängnis und Folterstätte diente, und die Villa des Lagerkommandanten Amon Göth.

Die Realität des Lagerlebens und die Figur des Kommandanten Amon Göth wurden im Film „Schindlers Liste“ dargestellt.

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